{"id":36,"date":"2009-01-03T20:42:41","date_gmt":"2009-01-03T19:42:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/?page_id=36"},"modified":"2010-01-22T09:49:15","modified_gmt":"2010-01-22T08:49:15","slug":"baden-powell-und-die-internationale-entwicklung","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/index.php\/uber-uns\/geschichte\/baden-powell-und-die-internationale-entwicklung\/","title":{"rendered":"Baden-Powell und die internationale Entwicklung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/baden-powell.jpg\" rel=\"shadowbox[sbpost-36];player=img;\" title=\"Baden-Powell\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-586 alignright\" title=\"Baden-Powell\" src=\"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/baden-powell-211x300.jpg\" alt=\"Baden-Powell\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/baden-powell-211x300.jpg 211w, http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/baden-powell.jpg 384w\" sizes=\"(max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/a>Lord Robert Stephenson Smyth Baden-Powell, Lord of Gilwell, Gr\u00fcnder der Pfadfinderbewegung, oder Bipi, wie die Pfadfinder ihn nennen, wurde am 22. Februar 1857 als eines von 7 Kindern in London geboren. Bipis Vater war anglikanischer Geistlicher und Geometrieprofessor in Oxford, er starb aber als Bipi noch ein Kind war. Seine Mutter, nun Witwe, legte Wert darauf, die Kinder nat\u00fcrlich zu erziehen und ihnen praktische Lebensregeln zu vermitteln &#8211; die Erziehung stand unter dem Prinzip des t\u00e4tigen Christseins.<\/p>\n<p>Ein Stipendium des Duke of Marlborough erm\u00f6glichte dem 13-j\u00e4hrigen Robert den Besuch des \u00bbCharterhouse College\u00ab (1870 &#8211; 1876). Bipi galt eher als durchschnittlicher Sch\u00fcler, der wenig Interesse f\u00fcr den Unterricht aufbrachte. 1872 wurde die Schule nach Goldaming, in eine sehr wald- und buschreiche Gegend verlegt. Bipi unternahm die ersten Studien in Pfadfindertechnik wie in ger\u00e4uschlosem Anschleichen, Spurenlesen usw. In seiner Biographie schreibt er: \u00bbOhne es zu wissen, lernte ich Dinge, die ich sp\u00e4ter gut gebrauchen konnte.\u00ab Gemeinsam mit seinen f\u00fcnf Br\u00fcdern unternahm Bipi Ferienwanderlager, Faltbootfahrten und Segelt\u00f6rns auf dem Meer.<\/p>\n<p>Als Bipi 1876 die Schule beendete, stellte sich ihm die Frage der Berufswahl. Ein geplantes Studium war nicht m\u00f6glich, da bei der Aufnahmepr\u00fcfung \u00bbzu geringe Wissensleistungen\u00ab attestiert wurden. Also besuchte Bipi probeweise die Pr\u00fcfung zum Milit\u00e4rdienst. Er belegte bei 718 Bewerbern den 5. Platz f\u00fcr die Infanterie und den 2. Platz f\u00fcr die Kavallerie, so dass er sich entschloss, die Offizierslaufbahn einzuschlagen. Wegen seines guten Abschneidens bei der Pr\u00fcfung wurde ihm der zweij\u00e4hrige Einf\u00fchrungslehrgang erlassen. Am 30. Oktober 1876 wurde Unterleutnant Robert Baden-Powell nach Indien zum 13. Husarenregiment eingeschifft.<br \/>\nBipi war bei seinen Kameraden f\u00fcr Humor und Fr\u00f6hlichkeit, Selbstst\u00e4ndigkeit und eine kritische Einstellung zu traditionellen milit\u00e4rischen Strukturen bekannt. Er konnte Drill nicht ausstehen und strebte danach, Verbesserungen durchzusetzen. Es hei\u00dft, dass er sehr unabh\u00e4ngig war und nie irgend etwas mitmachte, blo\u00df weil es Mode war. Hygiene war Baden-Powell sehr wichtig: wegen seiner Angewohnheit, sich regelm\u00e4\u00dfig zu waschen (was damals durchaus nicht \u00fcblich war), nannten ihn seine Kameraden nicht Baden-Powell, sondern \u00bbBathing Towel\u00ab (Badehandtuch).<\/p>\n<p>Bipi, der im Gegensatz zu den meisten anderen Soldaten, die von wohlhabenden Eltern unterst\u00fctzt wurden, \u00fcber keinerlei Mittel verf\u00fcgte, musste sehr sparsam leben. Er verdiente sich zus\u00e4tzliches Geld durch das Schreiben von Artikeln f\u00fcr Zeitschriften und Illustrierte. Au\u00dferdem rauchte er nicht und trank nur m\u00e4\u00dfig alkoholische Getr\u00e4nke.<\/p>\n<p>Bipi war ber\u00fchmt f\u00fcr seine Verdienste als Kundschafter und Ausbilder von Kundschaftern, so dass er im Alter von 50 Jahren zum Generalleutnant bef\u00f6rdert wurde, obwohl dieser Rang in der englischen Armee normalerweise erst ab dem 62. Lebensjahr erreicht werden konnte.<\/p>\n<p>In Afrika wurde Bipi von den Eingeborenen wegen seiner F\u00e4higkeiten als Kundschafter \u00abimpeesa\u00bb (= der Wolf, der nie schl\u00e4ft) genannt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/pfadfinder-utensilien.jpg\" rel=\"shadowbox[sbpost-36];player=img;\" title=\"Pfadfinderutensilien\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-593\" title=\"Pfadfinderutensilien\" src=\"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/pfadfinder-utensilien-197x300.jpg\" alt=\"Pfadfinderutensilien\" width=\"197\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/pfadfinder-utensilien-197x300.jpg 197w, http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/pfadfinder-utensilien.jpg 253w\" sizes=\"(max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><\/a><\/p>\n<p>1899 &#8211; 1900 wurde Bipi mit seinen Leuten in der s\u00fcdafrikanischen Stadt Mafeking von den Buren belagert. Die Armee des Generals Cronje hatte die Stadt mit 9.000 M\u00e4nnern umzingelt &#8211; Baden-Powell standen nur 1250 Verteidiger zur Verf\u00fcgung. Da die Stadt keinen nat\u00fcrlichen Schutz bot, und mit dem Eintreffen von Befreiungstruppen in den n\u00e4chsten Monaten nicht zu rechnen war, beschloss Bipi, die Einnahme Mafekings durch feindliche Truppen mit unkonventionellen Methoden zu verhindern.<\/p>\n<p>Die Buren scheuten den verlustreichen Angriff auf die Stadt, da die Mini-Armee der Engl\u00e4nder sich verbissen zu Wehr setzte. Also schnitten sie die Stadt total von der Au\u00dfenwelt ab und warteten auf die freiwillige \u00dcbergabe. Bipi verlegte sich auf die lrref\u00fchrung des Feindes, indem er st\u00e4ndig Falschmeldungen ausgab, um die zahlreichen Spione zu t\u00e4uschen. Er lie\u00df, von au\u00dfen deutlich sichtbar, Sandkisten vergraben, um Minen vorzut\u00e4uschen und sorgte f\u00fcr \u00bbunbeabsichtigte\u00ab Explosionen derselben mit Sylvesterfeuerwerksk\u00f6rpern. Da die Buren \u00fcber Stacheldrahthindernisse verf\u00fcgten, die Engl\u00e4nder aber nicht, wies Bipi seine Soldaten an, beim Betreten der \u00e4u\u00dferen Befestigungsanlagen die F\u00fc\u00dfe deutlich sichtbar zu heben, um eigene Stacheldrahthindernisse vorzut\u00e4uschen. Daraufhin stellten die Buren ihre n\u00e4chtlichen Angriffe ein.<br \/>\nEinige der Verteidigungsfestungen waren mangels Soldaten nur mit Strohpuppen besetzt, die ab und zu mittels Schn\u00fcren bewegt wurden. Als Gesch\u00fctzattrappen mu\u00dften bedrohlich wirkende Ofenrohre herhalten. Durch Heckensch\u00fctzen wurden die Verteidiger st\u00e4ndig dezimiert, so dass Bipi ein uniformiertes Kadettenkorps aus den Jungen der Stadt bildete, die f\u00fcr ungef\u00e4hrliche Aufgaben, wie Botendienste innerhalb der Befestigung eingeteilt wurde. Dieses Kadettenkorps wurde von einem etwas \u00e4lteren Jungen namens Goodyear befehligt, der wiederum Baden-Powell unterstellt war. Es zeigte sich, dass die Jungen den erwachsenen Soldaten in nichts nachstanden und in der Lage waren, die ihnen gestellten Aufgaben gewissenhaft auszuf\u00fchren.<br \/>\nDie ungew\u00f6hnlichen Methoden zur Verteidigung der Stadt waren erfolgreich &#8211; trotz aller widrigen Umst\u00e4nde gelang es Bipi, Mafeking bis zum Eintreffen der englischen Befreiungstruppen 217 Tage lang zu halten. Als die Nachricht nach England gelangte, brach dort Begeisterung \u00fcber den tapferen Kriegshelden aus. Das neue Idol der englischen Jugend wurde zum Generalmajor bef\u00f6rdert und von Queen Victoria mit dem Bath-Orden ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Danach sollte Baden-Powell in S\u00fcdafrika eine Polizeitruppe aufstellen, die die Sicherheit in den besetzten Gebieten gew\u00e4hrleisten sollte und 1903 wurde Bipi zum Generalinspekteur der britischen und irischen Kavallerie ernannt.<\/p>\n<p>Vier Jahre zuvor hatte Bipi ein Buch mit dem Titel \u00bbAids to Scouting\u00ab (Hilfen f\u00fcr Kundschafter) verfasst, das es jungen Soldaten erm\u00f6glichen sollte, sich im Selbststudium die F\u00e4higkeiten eines Kundschafters anzueignen. Eine unbeabsichtigte Nebenwirkung des Buches war, dass die englische Jugend sich auf das Buch des \u00bbHelden von Mafeking\u00ab st\u00fcrzte, und es in Wald und Flur als Spielanleitung nutzte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/kochstelle.png\" rel=\"shadowbox[sbpost-36];player=img;\" title=\"Kochstelle\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-514 alignright\" title=\"Kochstelle\" src=\"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/kochstelle-300x239.png\" alt=\"Kochstelle\" width=\"300\" height=\"239\" srcset=\"http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/kochstelle-300x239.png 300w, http:\/\/www.bps-pforzheim.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/kochstelle.png 938w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Als Bipi 1903 nach England zur\u00fcck kam, stellte er \u00fcberrascht fest, dass es bei den Jugendlichen \u00bbin\u00ab war, sich kriechend durch das Gel\u00e4nde zu bewegen. Um diese Entwicklung besser beurteilen zu k\u00f6nnen veranstaltete Bipi vom 29. Juli bis zum 9. August 1907 zusammen mit seinem Neffen Donald und 21 weiteren Jungen aus verschiedenen sozialen Schichten als Test ein Lager auf Brownsea Island. Er steckte die Jungen in einheitliche Kleidung, damit zwischen reich und arm nicht unterschieden werden konnte und teilte sie in vier Sippen ein: die Raben, die W\u00f6lfe, die Stiere und die Brachv\u00f6gel. Die Aktivit\u00e4ten wurden in Form von Wettbewerben und Spielen durchgef\u00fchrt. Einige V\u00e4ter, die das Lager nachts \u00fcberfallen wollten, um die Wachsamkeit ihrer S\u00f6hne zu testen, wurden bereits im Vorfeld von der Nachtwache entdeckt und \u00fcberw\u00e4ltigt. Das Lager war ein voller Erfolg. Bipi beschloss, sein Buch f\u00fcr Jugendliche umzuschreiben.<br \/>\n\u00bbScouting for boys\u00ab entwickelte sich zum Bestseller. Nachdem es zun\u00e4chst in sechs Teilen in 14t\u00e4giger Folge ab 15. Januar 1908 erschienen war, kam es am 1. Mai desselben Jahres in Buchform heraus.<\/p>\n<p>Um alle spontan entstandenen Gruppen zusammenzuf\u00fchren, organisierte Bipi 1909 ein \u00bbMeeting\u00ab aller Boy Scouts und mietete hierf\u00fcr wegen der schlechten Wetterlage den \u00bbCrystal Palace\u00ab in London an. Zu dem Treffen kamen etwa 1 0.000 Boy Scouts in Kluft &#8211; und einige M\u00e4dchen, die sich \u00bbGirl Scout\u00ab nannten. Bipi, der sich zum erstenmal mit M\u00e4dchenpfadfindern konfrontiert sah, war \u00fcberrascht. Die Zahl der Girl Scouts stieg immer mehr an und so beschloss Bipi, auch f\u00fcr sie eine Organisation zu gr\u00fcnden. Er beauftragte seine Schwester Agnes damit, das \u00bbGirl Guiding\u00ab zu entwickeln. Sie schrieb unter seiner Mitwirkung 1912 das Buch \u00bbThe Handbook for Girl Guides\u00ab. Als Erg\u00e4nzung dazu verfasste Bipi 1918 das Buch \u00bbGirl Guiding\u00ab. Im Jahre 1919 erschien sein Buch f\u00fcr die F\u00fchrerschaft \u00bbAids to Scoutmastership\u00ab.<\/p>\n<p>Die Pfadfinderbewegung war l\u00e4ngst keine rein englische Angelegenheit mehr. \u00dcberall auf der Weit wurden Pfadfinderb\u00fcnde gegr\u00fcndet. Zun\u00e4chst 1908 in Kanada, Australien und Neuseeland, dann 1909 in Chile.<\/p>\n<p>Im selben Jahr erschien in Deutschland \u00bbDas Pfadfinderbuch\u00ab, mit dem der Stabsarzt Dr. Alexander Lion die auf deutsch-kaiserliche Verh\u00e4ltnisse umgearbeitete Version von Baden-Powells \u00bbscouting for boys\u00ab pr\u00e4sentierte. Von K\u00f6nig Edward VIl bekam Bipi verschiedene Orden und wurde mehrfach zum Ritter geschlagen. Auf das Anraten des K\u00f6nigs nahm Bipi 1910 auch seinen Abschied von der Armee, um sich ganz dem Aufbau der Pfadfinderbewegung zu widmen.<\/p>\n<p>1912 unternahm Baden-Powell eine Weltreise, um Kontakt zu den Pfadfindern in den USA, auf den Westindischen Inseln, in Japan, China, Australien, S\u00fcdafrika, Neuseeland und zahlreichen europ\u00e4ischen Staaten aufzunehmen. Auf der Atlantik\u00fcberfahrt lernte er Olave St. Clair Soameskennen &#8211; und heiratete sie noch am 30. Oktober des gleichen Jahres. Aus der Ehe gingen 3 Kinder hervor.<\/p>\n<p>1916 \u00fcbernahm Olave Baden-Powell die Girl Guides. Au\u00dferdem wurden in diesem Jahr die W\u00f6lflinge gegr\u00fcndet, weil die kleinen Br\u00fcder der Pfadfinder gegen das Mindestalter protestiert hatten. 1919 wurden die Rover Scouts gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>1920 fand das 1. Jamboree (= Weltpfadfindertreffen, das Wort bedeutet auf Suaheli ein Treffen der Stammesf\u00fchrer) in der Olympiahalle in London statt. Bipi wurde im gleichen Jahr zum \u00bbChief Scout of the world\u00ab ernannt. Weitere Jamborees fanden in Ermelunden bei Kopenhagen, in Birkenhead\/England, in G\u00f6d\u00f6li\u00f6\/Ungarn und 1937 in Vogelenzang\/Holland statt. Am 8. Januar 1941 starb Lord Robert Stephenson Smyth Baden- Powell, Lord of Gilwell in Afrika. Er musste nicht mehr miterleben, wie die Pfadfinder im zweiten Weltkrieg mit der Waffe in der Hand aufeinander losgingen.<\/p>\n<p>Im Moment gibt es gesch\u00e4tzt weltweit ca. 26 Millionen Pfadfinder.<\/p>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/pfadis.gjw-bawue.de\/download\/Bronzelilie_A5.pdf\">Schlaues Buch I &#8211; alles f\u00fcr die Bronze-Lilie<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lord Robert Stephenson Smyth Baden-Powell, Lord of Gilwell, Gr\u00fcnder der Pfadfinderbewegung, oder Bipi, wie die Pfadfinder ihn nennen, wurde am 22. 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